Jun
19

Erste Hilfe , Reflexionen und eine gute Nachricht

By Zaubi

Ich hoffte ja, dass der heutige Tag nicht so stressig würde wie der gestrige. Nun, jemand in höheren Sphären meinte es offensichtlich auch heute nicht gut mit mir.

Heute sollte es eigentlich im Büro nicht so stressig werden, denn heute stand “Reflexionstag” an. Unsere Geschäftsführung hatte sich mal wieder was Neues einfallen lassen und unser Teamleiter in den letzten Wochen zu Seminaren für ” emotionale Führung” oder so ein Kokolores geladen. Aufgrund dessen sollten wir als Team uns heute zu so einem “Kuschelseminar” einfinden. Wir hofften nur, dass wir uns nicht anfassen und unseren Namen tanzen sollten! Jedenfalls hiess es offiziell “Reflexionstag” , und es sollten halt so Feedbackgespräche stattfinden bezüglich Motivation, Demotivation, Stress- und dessen Bewältigung, Führungsstil und und und stattfinden. Deswegen war ich auch ziemlich entspannt, denn das hiess für mich keine Fortführung des gestrigen Termindesasters.

Leider fing es schon damit an, dass ich heute morgen nicht richtig in die Puschen kam und mir prompt der Bus vor der Nase wegfuhr. Kein Problem, ich habe ja hier zwei Möglichkeiten wegzukommen. Also nahm ich den Bus in die Gegenrichtung , bei dem ich dann halt nur in einem anderen Stadtteil als sonst umsteigen musste. Ich stieg also aus der Strassenbahn und bog um die Ecke und stolperte fast über einen Mann, der alle Viere von sich gestreckt auf dem Boden der Einkaufsstrasse lag. Davor stand die völlig überforderte und schlecht deutsch sprechende Inhaberin des dortigen “Büdchens” und war ganz fassunglos. Ich schmiss direkt meine Tasche auf den Boden und hockte mich vor den Mann, die Frau rief immer nur: Ich grade gekommen, da lag er schon! Was soll ich machen, was soll ich machen!

Nachdem ich den Mann ansprach und er mich zwar anschaute aber mit keiner Miene zuckte bzw. auch nicht sprach, bemerkte ich , dass er stark am Kopf blutete.Hatte sich wohl den Kopf beim Sturz angehauen. Die Frau war völlig aufgelöst und rannte kopflos in ihr Büdchen. Ich fragte sie nach Verbandskasten. Den gab sie mir auch direkt und auch ihr Telefon. Ich hab sofort den Notarzt angerufen, Handschuhe angezogen und den Mann erstversorgt.Dabei klimperte dann ein leerer “Flachmann” aus seiner Tasche.

Mittlerweile erschien “Hakan”. Ich nenne ihn einfach mal so, weil er aussah wie “Hakan” von Kaya Yanar. Lange Haare zum Pferdeschwanz, Lederjacke…dabei handelte es sich wohl um den Bruder der Büdchenbesitzerin, die ihn wohl per Telefon aus dem Bett geschmissen hat. “Hakan” war sehr nett und hat mir erstmal einen Becher Kaffee gegeben, während wir auf den Notarzt warteten. Der erschien irgendwie so gar nicht. Nach 15 Minuten, in denen ich immer versuchte den Mann durch Tätscheln und Ansprechen daran zu hindern “wegzukippen” , klingelte das Telefon im Büdchen und der Rettungswagen meldete sich. Man wisse nicht, wo wie seien. Diese Idioten…statt zur Kaiser-Friedrich-Str. sind die zur Kaiser-Wilhelm-Str. gefahren. Na, man kann sich ja schon mal mit den Kaisern vertun :-)

Hakan meinte dann auch, der Mann könne schon tot irgendwo überm Zaun hängen bei dem Zeitverlust.Schön war dann auch die Reaktion des Notarztes am Telefon als ich mit ihm sprach : ” Bleiben Sie vor Ort?” “Ähm ,eigentlich muss ich zur Arbeit, aber selbstverständlich bleibe ich solange vor Ort” ” Ja, bleiben Sie bitte vor Ort, in Duisburg-Marxloh ist das immer so eine Geschichte mit der Verständigung”

Irgendwann erschien dann auch der Rettungswagen, liessen sich von mir nochmal die Situation und den Stand der Erstversorgung erläutern und nahmen den Mann dann mit. Hakan nebst Schwester bedankten sich herzlich für meine Hilfe und ich entschwand dann Richtung Haltestelle.

Was ich bemerkenswert fand : Es war 6 Uhr morgens und nicht viele Leute unterwegs. Aber die wenigen ( insgesamt vielleicht 10) Leute, die dort unterwegs waren haben ALLE angehalten , nachgefragt ob sie helfen könnten und/ oder ob sie einen Rettungswagen rufen sollten. Das hätte ich nicht erwartet!!

Nun, so fing mein Tag bereits mit einem Adrenalinstoss an……

Am Ende des Tages erreichte uns mitten in unserem “Kuschelseminar” noch eine gute Nachricht. Unsere Teamkollegin Siggi, bei der vor knapp 9 Monaten mit 43 Jahren ein Hirntumor festgestellt wurde, ist nach langwieriger Chemo und Bestrahlung tumorfrei. Der Tumor ist verschwunden!!!

Das ist doch mal ein guter Start ins Wochenende!!

Eure zaubi

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8 Kommentare

1

Am meisten freut mich die Nachricht in deinem letzten Absatz… ist immer schön zu hören, wenn es jemand schafft, sich vom elenden Krebs zu befreien :yes:

Aber meine Güte, da hattest du ja heut schon ne ordentliche Action und auch noch zu so einer Uhrzeit. Wenn ich deine Stories immer so lese, muss ich mich echt wundern… ziehst du sowas an?! :eek:

2

Kann mich da nur anschließen, der Krebs ist und bleibt die wohl verbreiteste und gefürchteste Krankheit und besigt ist er erste, wenn man nicht an Ihm stirbt.
Ich hoffe dein Tag war gar nicht so schlecht?

3

Ja, Krebs ist eine fürchterliche Krankheit.
Nunja Andy, nach deiner Deifinition hat mein Vater seinen Krebs besiegt. Er sollte aus dem Krankenhaus entlassen werden nach seiner letzten Untersuchung. Dort wurde festgestellt, dass er tumorfrei ist. Am Entlassungstag erlitt er einen Schlaganfall ( mit 54 Jahren) und ist 5 Tage später ohne wieder wachzuwerden gestorben. Durch die diversen Infusionen bei den Chemos und sonstigen Behandlungen hatte sich ein Thrombus gebildet, der ins Hirn gewandert ist. Krebs besiegt, durch Behandlung gestorben….. so ist manchmal das Leben!

4

@zaubi: Das tut mir natürlich Leid. Aber was ich eigentlich damit Ausdrücken wollte ist, das sehr viele Krebskranke für geheilt gelten und Jahre später sich erneut ein Tumor oder Co ausbreitet. Ich habe dies in der eigenen Verwandschaft leider schon des öfteren erlebt.

5

@ Andy: ja, ich weiss schon wie du das meinst. Leider ist das wirklich meistens so, dass der Krebs irgendwann wiederkommt

6

Ohmann, du hast aber auch immer ein Glück. War das nicht schonmal irgendwo ? :gruebel: Hey Leude, hab ich nicht ne tolle Frau ?!

Beim Kuschelseminar hätt ich sehr gern mal Mäuschen gespielt und so einige Gesichter beobachtet :D

Und die letzte Nachricht macht doch wirklich den Stress und die Ereignisse des tages unwichtig. Klasse Nachricht !!

7

@ Rio : Ja, bereits 2 mal. Ich hab aber auch ein Glück, immer fallen die Leute fast vor meiner Nase um. Einmal in Holland mitten auf der Einkaufsstrasse und einmal vor unserer Kundeninformationstheke.

Ja das “Kuschelseminar” war für einige Leute ´nicht so erquicklich!

Und das Siggi erstmal tumorfrei ist macht alles andere sowieso erstmal nebensächlich

8

Du hast halt eine umwerfende Aura :yes:

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